✓ Redaktionell geprüft · Nature Nation Redaktion
Was ist Schuppenflechte und wie lässt sie sich behandeln?
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die sich nicht ursächlich heilen, aber mit der richtigen Kombination aus Basispflege, entzündungshemmenden Wirkstoffen, Lichttherapie und bei Bedarf systemischen Medikamenten gut kontrollieren lässt. Wer Schuppenflechte behandeln möchte, verfolgt in der Praxis drei Ziele: akute Schübe abmildern, schubfreie Phasen verlängern und die Lebensqualität verbessern. In Deutschland sind laut Deutschem Psoriasis Bund rund 2 Millionen Menschen betroffen, das entspricht etwa 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung.
Laut gesund.bund.de zählt Schuppenflechte zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen der Haut in Deutschland und verläuft meist in Schüben mit unterschiedlich starker Ausprägung. Bei Psoriasis erneuert sich die Haut alle 3 bis 6 Tage statt wie normal alle 28 Tage, wie gesundheitsinformation.de (IQWiG) beschreibt. Dadurch stauen sich Hautzellen zu den typischen silbrig-schuppenden, geröteten Plaques.
Welche Therapie sinnvoll ist, hängt vom Schweregrad, der betroffenen Körperfläche und davon ab, ob Gelenke mitbetroffen sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Schuppenflechte ist chronisch, aber mit Behandlung meist gut steuerbar — Heilung im engeren Sinn gibt es aktuell nicht.
- Leichte Verläufe (unter 3 % Körperfläche) werden meist rein topisch mit Cremes behandelt.
- Mittelschwere bis schwere Verläufe kombinieren Lichttherapie, systemische Medikamente oder Biologika.
- Rückfettende Basispflege, 2x täglich angewendet, reduziert Juckreiz und Spannungsgefühl unabhängig vom Schweregrad.
- Bei Gelenkschmerzen oder starker Ausdehnung gehört die Behandlung in fachärztliche Hände.
Schuppenflechte akut behandeln: Dein Sofort-Plan bei einem Schub
Ein akuter Schub dauert häufig 4 bis 8 Wochen. Diese Schritte helfen, ihn zu lindern:
- Nicht kratzen oder Schuppen abziehen — das reizt die Haut zusätzlich und kann Blutungen (Auspitz-Phänomen) auslösen.
- Sofort rückfetten: Eine fetthaltige, parfümfreie Creme dünn auftragen, um die Hautbarriere zu stabilisieren.
- Lauwarm statt heiß duschen/baden, maximal 10 bis 15 Minuten, danach direkt eincremen.
- Kleidung aus Baumwolle statt Synthetik tragen, um Reibung zu vermeiden.
- Stress reduzieren — psychische Belastung gilt als einer der häufigsten Schub-Auslöser.
- Bei starkem Juckreiz kühlende, kortisonfreie Gele verwenden statt zu kratzen.
Ursachen und Auslöser: Warum Schuppenflechte-Schübe entstehen
Schuppenflechte entsteht durch ein fehlgeleitetes Immunsystem, das die Erneuerung der Hautzellen beschleunigt. Typische Auslöser für neue Schübe sind:
- Stress und psychische Belastung
- Hautverletzungen, Sonnenbrand oder Rasur (Köbner-Phänomen)
- Infekte, insbesondere Streptokokken-Infektionen
- Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker, Lithium)
- Alkohol und Nikotin
- Kälte, trockene Heizungsluft im Winter
- Übergewicht und Stoffwechselfaktoren
Eine genetische Veranlagung spielt laut AWMF-S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris ebenfalls eine zentrale Rolle — bei familiärer Vorbelastung steigt das Risiko deutlich.
Schuppenflechte behandeln: Methoden nach Schweregrad
Die Therapie richtet sich nach der betroffenen Körperfläche und danach, ob Gelenke beteiligt sind.
| Schweregrad | Betroffene Körperfläche | Typische Behandlung |
|---|---|---|
| Leicht | unter 3 % | Basispflege, Vitamin-D-Analoga, Harnstoff-Cremes |
| Mittel | 3–10 % | Topische Therapie + Lichttherapie (UV-B) |
| Schwer | über 10 % oder Gelenkbeteiligung | Systemische Medikamente, Biologika |
Topische Behandlung: Cremes und Salben
Bei leichten bis mittleren Verläufen kommen meist Cremes mit Vitamin-D-Analoga, Salicylsäure oder niedrig dosiertem Kortison zum Einsatz. Sie werden häufig über 4 bis 8 Wochen angewendet und danach reduziert, um die Haut nicht zu dünnen.
Schuppenflechte ohne Kortison behandeln
Viele Betroffene möchten Schuppenflechte ohne Kortison behandeln, etwa wegen Hautverdünnung bei Langzeitanwendung. Alternativen sind Cremes mit 5 bis 10 % Harnstoff (Urea), Salicylsäure zum sanften Ablösen der Schuppen sowie rein rückfettende Basispflege ohne Wirkstoffe. Diese ersetzen bei schweren Schüben keine ärztlich verordnete Therapie, eignen sich aber gut zur Basispflege zwischen den Schüben.
Systemische Therapie bei schwerer Psoriasis
Bei mehr als 10 Prozent betroffener Körperfläche oder Psoriasis-Arthritis verschreiben Dermatologen häufig Methotrexat, Ciclosporin oder moderne Biologika, die gezielt in die Immunreaktion eingreifen. Informationen zu zugelassenen Wirkstoffen und deren Sicherheitsprofil stellt das BfArM bereit. Diese Medikamente erfordern eine engmaschige ärztliche Begleitung mit regelmäßigen Blutkontrollen.
Lichttherapie (Phototherapie)
UV-B-Schmalspektrum-Bestrahlung gehört zu den etabliertesten Behandlungen bei mittelschwerer Psoriasis. Üblich sind 15 bis 25 Sitzungen über einen Zeitraum von 6 bis 8 Wochen, meist zwei- bis dreimal wöchentlich in der Hautarztpraxis.
Die im Rahmen der AWMF-S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris ausgewertete Studienlage zeigt, dass ein relevanter Anteil der Behandelten nach etwa 6 bis 8 Wochen Schmalspektrum-UV-B-Therapie eine deutliche Verbesserung des PASI-Scores (Psoriasis Area and Severity Index) erreicht, wobei die genauen Ansprechraten je nach Studie und Hauttyp variieren.
Schuppenflechte natürlich behandeln: Hausmittel, Ernährung & Nährstoffe
Wer Schuppenflechte natürlich behandeln möchte, sollte Hausmittel als Ergänzung, nicht als Ersatz ärztlicher Therapie verstehen. Laut gesundheitsinformation.de (IQWiG) gibt es für viele Hausmittel bislang begrenzte wissenschaftliche Belege, einige Erfahrungswerte sind aber durchaus plausibel.
Bewährte Hausmittel
- Ölbäder mit hochwertigen Pflanzenölen weichen Schuppen auf und lindern Juckreiz.
- Kalte Umschläge bei akutem Juckreiz kühlen und beruhigen.
- Totes-Meer-Salz-Bäder werden traditionell zur Unterstützung der Hautregeneration verwendet.
- Konsequentes Eincremen, 2x täglich, mit fetthaltigen, parfümfreien Produkten.
Ernährung bei Schuppenflechte
Eine entzündungsarme Ernährung mit viel Gemüse, Omega-3-reichem Fisch und wenig Alkohol wird von vielen Betroffenen als hilfreich beschrieben. Omega-3-Fettsäuren tragen laut zugelassenem Claim zu einer normalen Herzfunktion bei. Ein wissenschaftlich gesicherter Effekt auf die Hautentzündung bei Schuppenflechte besteht nach aktuellem Stand nicht, auch wenn manche Betroffene von subjektiver Besserung berichten.
Bei Vitamin D ist eine klare Trennung wichtig: Topische Vitamin-D-Analoga (z. B. Calcipotriol) werden direkt auf die Haut aufgetragen und bremsen dort lokal die übermäßige Zellteilung — das ist ein etablierter Bestandteil ärztlich verordneter Cremes. Oral eingenommenes Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel hat damit keinen direkten Zusammenhang: Ein wissenschaftlich belegter Effekt einer oralen Vitamin-D-Einnahme auf die Hautentzündung bei Schuppenflechte besteht nach aktuellem Stand nicht.
Schuppenflechte an speziellen Körperstellen behandeln
Schuppenflechte auf der Kopfhaut behandeln
Bei Kopfhaut-Psoriasis helfen keratolytische Shampoos mit Salicylsäure, um Schuppen vor der eigentlichen Behandlung zu lösen. Danach folgt eine dünn aufgetragene Pflege-Lösung oder Creme, die über Nacht einwirken kann.
Schuppenflechte an den Nägeln behandeln
Fachliteratur geht davon aus, dass ein großer Teil der Psoriasis-Betroffenen im Krankheitsverlauf auch Veränderungen an Finger- oder Zehennägeln entwickelt — Tüpfelnägel, Ölflecken oder Verdickungen sind typisch. Anders als bei Nagelpilz handelt es sich um eine Autoimmunreaktion, weshalb die Behandlung in Absprache mit dem Dermatologen erfolgen sollte, oft kombiniert mit der systemischen Therapie.
Schuppenflechte im Gesicht und am Augenlid behandeln
Die dünne Gesichtshaut reagiert empfindlich, deshalb kommen hier meist mildere Wirkstoffe und kurze Anwendungszeiträume zum Einsatz. Am Augenlid ist besondere Vorsicht geboten — Cremes hier nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden, da die Augenpartie leicht reizbar ist.
Schuppenflechte an Handinnenflächen und Fußsohlen behandeln
An stark beanspruchten Stellen wie Handinnenflächen und Fußsohlen ist die Haut oft besonders verdickt und rissig. Regelmäßiges, intensives Eincremen mit reichhaltigen Cremes und das Vermeiden von scharfen Reinigungsmitteln entlasten die Haut spürbar.
Schuppenflechte im Intimbereich behandeln
Im Intimbereich ist die Haut besonders dünn und empfindlich, weshalb hier nur milde, unparfümierte Pflegeprodukte zum Einsatz kommen sollten. Kortisonhaltige Präparate werden hier grundsätzlich nur kurzzeitig und nach ärztlicher Anweisung angewendet.
Schuppenflechte an Ellenbogen, Knien und Beinen behandeln
Ellenbogen und Knie zählen zu den klassischen Prädilektionsstellen. Hier vertragen sich reichhaltige, harnstoffhaltige Cremes meist gut, da die Haut an diesen Stellen dicker ist und Wirkstoffe langsamer aufnimmt.
Produkte zur unterstützenden Pflege bei Schuppenflechte
Basispflege ist bei jedem Schweregrad ein wichtiger Baustein. Diese Produkte können deine Routine sinnvoll ergänzen:
| Produkt | Nutzen für Schuppenflechte-Pflege | Anwendungshinweis |
|---|---|---|
| Tallow Rindertalg Creme Natur | 100 % naturbelassen und unparfümiert, ideal zur täglichen Basispflege gereizter, trockener Plaques ohne zusätzliche Duftstoffe | 2x täglich dünn auftragen, besonders nach dem Duschen |
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für Ernährungsumstellung, Bewegung oder ärztlich verordnete Medikamente, können eine ausgewogene Routine aber sinnvoll ergänzen:
| Produkt | Nutzen | Anwendungshinweis |
|---|---|---|
| Vitamin D3 + K2 5.000 IE + 125µg MK7 all-trans pro Einnahme | Unterstützt die allgemeine Nährstoffversorgung bei ärztlich festgestelltem Vitamin-D-Mangel — ohne direkten Wirkzusammenhang zur topischen Vitamin-D-Analoga-Therapie | Nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, EFSA-Tagesobergrenze beachten |
| Omega 3 Max 35/25 | Liefert konzentriertes EPA und DHA zur Ergänzung einer entzündungsarmen Ernährung | Gemäß Packungsangabe einnehmen, ersetzt keine ärztliche Therapie |
| Zink Bisglycinat 25 | Trägt laut zugelassenem Health Claim zur Erhaltung normaler Haut sowie zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei | Täglich 1 Tablette zur langfristigen Basisversorgung |
Do's & Don'ts bei Schuppenflechte
Do's:
- Täglich 2x eincremen, auch in schubfreien Phasen
- Sanfte, pH-neutrale Reinigungsprodukte verwenden
- Sonnenlicht in Maßen — moderate UV-Exposition kann helfen
- Stressmanagement fest in den Alltag einbauen
Don'ts:
- Schuppen nicht abkratzen oder abrubbeln
- Keine heißen, langen Duschbäder
- Keine aggressiven Peelings auf akuten Plaques
- Verordnete Kortison-Therapie nicht eigenmächtig abbrechen
Wann zum Dermatologen?
Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn mehr als 10 Prozent der Körperfläche betroffen sind, Gelenke schmerzen oder anschwellen (mögliche Psoriasis-Arthritis), sich nach 4 bis 8 Wochen Eigenbehandlung keine Besserung zeigt oder die psychische Belastung zunimmt. Auch bei ersten Anzeichen einer Infektion der Haut sollte zeitnah eine fachärztliche Abklärung erfolgen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Unsicherheiten ist der Dermatologe oder die Dermatologin die richtige Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Kann man Schuppenflechte komplett heilen?
Nein, Schuppenflechte gilt bislang als nicht heilbar, da sie auf einer dauerhaften Fehlsteuerung des Immunsystems beruht. Mit konsequenter Behandlung erreichen viele Betroffene aber lange schubfreie Phasen von mehreren Monaten bis Jahren. Laut Deutschem Psoriasis Bund führt eine Kombination aus Basispflege, topischer Therapie und bei Bedarf systemischen Medikamenten bei einem Großteil der Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.
Wie kann man Schuppenflechte ohne Kortison behandeln?
Schuppenflechte ohne Kortison lässt sich vor allem mit harnstoffhaltigen Cremes (5–10 % Urea), Salicylsäure zum Ablösen der Schuppen und konsequenter Basispflege behandeln. Bei mittelschweren bis schweren Verläufen ersetzt das jedoch keine ärztlich verordnete Therapie — hier sprechen viele Dermatologen von einer sinnvollen Kombination beider Ansätze. Als unparfümierte, rückfettende Basispflege eignen sich fetthaltige Cremes ohne Zusatzstoffe.
Welche Hausmittel helfen bei Schuppenflechte natürlich behandeln?
Ölbäder, kalte Umschläge und Totes-Meer-Salz-Bäder gehören zu den am häufigsten genutzten Hausmitteln, um Juckreiz und Schuppung zu lindern. Ergänzend berichten viele Betroffene von positiven Erfahrungen mit einer entzündungsarmen Ernährung und ausreichender Omega-3-Zufuhr – ein wissenschaftlich belegter Effekt auf die Hautentzündung besteht jedoch nicht. Laut gesundheitsinformation.de ist die wissenschaftliche Beweislage für viele Hausmittel aber noch begrenzt, sodass sie nur ergänzend zur ärztlichen Therapie eingesetzt werden sollten. Wer seine Omega-3-Zufuhr ergänzen möchte, kann dies über hochwertige Fischölpräparate tun.
Wie behandelt man Schuppenflechte an den Nägeln?
Nagel-Psoriasis, von der laut Fachliteratur ein großer Teil der Betroffenen im Krankheitsverlauf berichtet, zeigt sich durch Tüpfelnägel, Verdickungen oder Ölflecken unter der Nagelplatte. Da es sich um eine Autoimmunreaktion und nicht um eine Pilzinfektion handelt, sollte die Behandlung immer in Absprache mit einem Dermatologen erfolgen, häufig kombiniert mit der systemischen Gesamttherapie. Eigenständige Anwendungen von Nagelpflege-Produkten gegen Pilzinfektionen sind bei Nagel-Psoriasis nicht die richtige Wahl.
Was hilft gegen Schuppenflechte auf der Kopfhaut?
Bei Kopfhaut-Psoriasis lösen keratolytische Shampoos mit Salicylsäure zunächst die festsitzenden Schuppen, bevor eine pflegende oder ärztlich verordnete Lösung über Nacht einwirken kann. Diese Routine wird meist über 4 bis 8 Wochen angewendet, bis sich die Kopfhaut sichtbar beruhigt. Wichtig ist, die Kopfhaut dabei nicht zu kratzen, da dies neue Reizungen und Mikroverletzungen auslösen kann, die wiederum neue Plaques begünstigen.
Unsere Redaktion erstellt und prüft alle Gesundheits-Inhalte sorgfältig auf Basis anerkannter Quellen — darunter staatliche Gesundheitsportale und Fachliteratur — und aktualisiert sie regelmäßig. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schuppenflechte (Psoriasis). gesundheitsinformation.de
- register.awmf.org (AWMF-Leitlinien): S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris. register.awmf.org
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Schuppenflechte (Psoriasis). gesund.bund.de
- bfarm.de (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte): Informationen zu Biologika und systemischen Therapien. bfarm.de
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Schuppenflechte (Psoriasis). gesund.bund.de